Mittwoch, 20. Dezember 2017

Ende 2017

Über das Phänomen der Vorweihnachtszeit, über einen Anruf und über den Abschied für immer.

Zurückblickend sind die letzten Monate ... nein, ist das letzte Jahr, wie im Fluge vergangen. Ach was rede ich? Jahr um Jahr scheint die Zeit schneller davon zu rasen. Kaum hat man sich an die aktuelle Schreibweise des Datums gewöhnt, ist diese wieder hinfällig. Und wie eh und je endet so ein Flitzejahr mit der Vorweihnachtszeit. Und meine Vorweihnachtsroutine beginnt.

Ende November starten meine beiden Frauen, mit der spontanen Idee und deren direkten Umsetzung, binnen von Minuten, die Wohnung in ein Meer von Weihnachtsmannfiguren zu tauchen. Anderthalb Wochen später, so um meinem Geburtstag herum, wird dieses Bild dann mit einem Weihnachtsbaum komplettiert. Das ist dann mein Job. Und der ist in diesem Jahr leider ausgeblieben. Zeitmangel, Bequemlichkeit und die Tatsache, dass wir an Weihnachten an sich gar nicht daheim verweilen werden, hat die Weihnachtsbaumkaufundschmückaktion hinfällig gemacht. Mein Problem? Weihnachten und die damit einhergehende Stimmung wollen sich einfach nicht einstellen. Da hilft auch nicht die bunt zusammengewürfelte Playlist an entsprechendem Liedgut weiter, welche auf Arbeit, im Auto und daheim in der Endlosschleife dudelt. Nix. Kein Herzerwärmendes Miteinander. Kein Reflektieren des scheidenden Jahres. Kein "ich freue mich drauf". Und ich will es doch unbedingt. Was auch immer das nun ist.

Und dann kam dieser Anruf. Einer der Unseren ist unerwartet nach schwieriger OP, Koma und noch im Krankenhaus verstorben. Und plötzlich ist alles belanglos. Absurd scheint das eben noch ersehnte, nicht greifbare Weihnachtsding nunmehr null und nichtig geworden zu sein. Abrupt bleibt die Zeit stehen. Für ihn, für meine Familie, für mich.

Gestern war die Beisetzung. Viele Menschen waren gekommen. Viele Gesichter, in die ich lange nicht mehr sah. Wiederum viele Menschen, die ich nicht kannte und wohl auch nie kennenlernen würde. Einmal mehr wurde mir bewusst, dass ich auch ihn viel zu wenig kannte. Dieser Mensch war ein Teil meiner, einer großen Familie und doch war er weit, weit weg von meinem Leben und meinem Alltag. Und nun all diese Menschen zu sehen, die sich zusammengefunden hatten, um ihm ein letztes Mal "Machs gut" zu sagen, dass tat verdammt nochmal weh. Und ich schämte mich. Nicht für die Tränen. Ich schämte mich dafür, dass ich viel zu wenig Lebenszeit mit ihm teilte.

Sich einmal weniger den Routinen ergeben. Weniger in unnützen Schubladen wühlen. Dafür einmal mehr sein Umfeld wahrnehmen. Die eigene Familie und auch darüber hinaus. Ausbrechen aus dem Trott, dem gewohntem Etwas. Es ist so simpel und an und für sich gar nicht schwer. Während wir irgendwelchen Schemata folgen oder gar nachhetzen, verlieren wir den Sinn für das Wesentliche, für das Wir in uns. Der Rest kommt dann von ganz alleine. Also auch das Weihnachtliche, das Besinnliche und all die anderen ersehnten Stimmungen, nach denen wir uns so verzerren.

Machs gut Wolle und danke dafür, dass du ein Teil meiner Familie warst und es auch immer bleiben wirst.

Mittwoch, 27. September 2017

Nur einen Wunsch frei?

Noch in diesem Jahr reiße ich die magische Vierzig. Ganz ehrlich, so magisch finde ich die gar nicht. Wer mich halbwegs gut kennt und meine Gegenwart mitunter auch alltäglich ertragen muss/darf, der weiß, dass ich mir aus meinem Geburtstag nichts mache. Gar nichts. Das war nicht immer so. Es ist über die Jahre gewachsen. Quasi „Erkenntnis im Alter“. 😋
Okay, ich versuch mich mal zu erklären.
Partys feiern, sich auch einmal gehen lassen, frei mit der Familie und den Freunden jeden einzelnen Augenblick genießen, das kann ich gut. Vielmehr noch - ich liebe es. Und Gründe zum Feiern finden sich bekanntlich zur Genüge. Hier ein paar Beispiele: Der erste Wackelzahn, Pfingsten in Sabel, Yankee Duftkerzen, unerwartete Steuerrückzahlungen, das An- und Abgrillen (meistens an ein und demselben Tag), lang ersehnte Projektabschlüsse, Entrecote im Angebot, zu kurze Röcke, standhafte Reissäcke in China, Filmklassiker mit Bud Spencer und Terence Hill, leere und somit freie Straßen, feuchtfröhliche Firmenveranstaltungen, Fynn Kliemann auf YouTube, die jährliche Herrentagstour, Stracciatella Eis, Elternabende in der Schule, der Typ mit dem Laubbläser, wahnwitzige Kommunalpolitik, schlagfertige Retourkutschen meiner Tochter, die ersten Dritten und dazu das passende Wasserglas auf dem Nachttischchen und, und, und … .
Und natürlich liebe ich es auch im Mittelpunkt zu stehen. Ich bin ein Klassenclown. Das kann und will ich nicht leugnen. Dazu stehe ich auch. Rumalbern, klugscheißen, fachsimpeln, labertieren, frech und auch mal obszön sein – all das bin ich. So kennt man mich.
Für meinen Geburtstag kann ich jedoch nichts. Schließlich liegt es nun mal in der Natur zu altern. Und dass jederzeit. Jeden lieben langen Tag, jede einzelne Stunde, Minute, Sekunde, jeden Augenblick. Geburtstag haben ist demnach keine Leistung. Und darum wünsche ich mir, dass, wenn dieser eine Tag im Jahr gekommen ist, wir alle einfach so tun, als wäre es ein ganz normaler Tag. Und wer dann doch unbedingt muss, der darf meiner Mutsch, meiner Frau, meiner Lütten und meinen Freunden und Kollegen zu diesem Tag gratulieren. Dazu, dass sie es mit mir so lange ausgehalten haben.
Genau das wünsche ich mir.
[Nachtrag: Gefeiert wird natürlich trotzdem. Irgendwann später dann. Versprochen.]

Sonntag, 11. Juni 2017

Ohne Ausreden

Ein Kerl wie ein Baum, sagt man. Grau im Ansatz, aber noch keine 40. Es sind angenehme 26 Grad an diesem Sommerabend und es pieselt, regnet auf ihn herab. Ihm ist es egal. In der Hand hält er einen Plastikbecher voll mit frisch gezapften Bier. Und so steht er nun da. Mit offenem Mund. In dieser riesigen Arena. Ihm wird schlagartig klar, dass er auf diesen Moment irgendwie 25 Jahre gewartet hat. Es sollte nicht früher sein. Keine Zeit, zu weit weg, gerade keine Kohle. Gründe! Ausreden? Melancholie will sich breit machen, doch dann setzt der erste Ton ein. Gänsehaut, wie er sie lange nicht mehr gespürt hat. Jede Faser, jede Zelle, jede Schuppe seines Körpers scheint zu brennen.

„Going Backwards“ und er ist mehr als nur dabei. Seine Kindheit, seine Jugend, seine Erinnerungen – der Beat, der Sound, er spürt die Musik und seine Gedanken gehen rückwärts.

23 Uhr. Stunden später. Der letzte Song halt noch nach. Ende, aus, es ist vorbei. Und es fühlt sich direkt so surreal, so unwirklich an. Er weiß, dass es keine weiteren 25 Jahre des Wartens geben wird. Alt sind sie geworden. Ewig wird es nicht so weitergehen. Die kommende Tour wird anvisiert. Definitiv und ohne Ausreden.

Mittwoch, 10. Mai 2017

Hate(n) like the hazelnuts ...

Facebook, Twitter, Instagram und Co.,
News, Stories, viel Bling-bling und Show.
Für mich sind diese sozialen Medien mittlerweile genau so wichtig, wie das täglich Brot. Weil schnell zu erfassen, nach meinen Interessen filterbar und durchaus auch mal ganz fix referenzierbar.
Ich bin kein Kind der ersten Stunde, aber schon so lange dabei, dass ich die verschiedensten Trends und Entwicklungen in den Netzwerken miterlebt habe. Und schon ziemlich lange und mit zunehmender Intensität stelle ich fest, dass der Volkssport, das Haten [englisch - hassen] ungeahnte Dimensionen angenommen hat.
Unsagbar viele Menschen, die früher noch versteckt hinter Pseudonymen durch die Gegend pöbelten, scheuen jetzt nicht mal mehr davor zurück unter ihrem Klarnamen alles und jeden im Netz zu deformieren. Ich frage mich schon seit langem, woher diese Unart und deren Härte herrührt.
Bitte nicht falsch verstehen. Eine Meinung zu haben ist selbstverständlich wichtig und sie zu vertreten ist etwas durchaus Gutes. Aber sie sollte mit Worten und Inhalten ausformuliert sein, die man sich auch selbst gefallen lassen möchte.
Stumpfsinniges Gepöbel, Beleidigungen, die weit unter die Gürtellinie gehen ... haben denn so viele Menschen da draußen keine gute Schule genossen?
Mich ekelt das an.
Ja klar, auch ich bin nicht immer frei von Kritik und auch mal dem einem oder anderem barschen Wort, aber beleidigen, dass muss nun wirklich nicht sein.
Das hab ich euch mitteilen wollen, weil mir das schon lange unter den Fingernägeln brennt. Und nun habt euch alle liebt oder argumentiert mit konstruktiver Kritik.
Danke 

Donnerstag, 14. Juli 2016

Das feine Netz

Die spinnt doch total. So ein verrücktes Vieh. Ich werd noch ganz kirre. Du fragst dich, von wem ich da rede? Ach so, ja ... na von der kleinen Spinne, die irgendwo in meinem Motorrad wohnt.

Jeden Tag, wenn ich zu meinem motorisierten Untersatz komme, hat diese kleine Spinne ein süßes kleines Netz an meinen Lenker dran gehäkelt. Jedes Mal denke ich dann: "Mensch Spinne, strick deine Fäden doch woanders. An dem großen Ast vom Apfelbaum gleich gegenüber zum Beispiel oder dort drüben in der Hecke." Und ja, jeden Tag zerstöre ich ihr Nachtwerk. Und jeden Tag fällt es mir ein wenig schwerer ihr Netz wieder aufs Neue einzureißen. Es gehört einfach nicht dort hin. 

Und heute? Früh hatte ich ihr Netzwerk entfernt und dann ... Stunden später, ich kam gerade von der Arbeit, um nach Hause zu cruisen und staunte nicht schlecht. Jetzt hatte die kleine Spinne neben ihrer tagtäglichen Nachtschicht auch noch eine zweite Tagschicht eingelegt. "Ich gebe mich geschlagen." hab ich ihr gesagt. Zusammen mit der kleinen Spinne und ihrem kleinen, feinen Netz an meinem Lenker, ging es dann nach Hause.

Aber nur dieses eine Netzchen. Mehr is nich drin. Du kleine verrückte Spinne.

Dienstag, 28. Juni 2016

Der kleine Spatz

Ich habe heute mit einem Spatz gesprochen. Eigentlich textete ich ihn nur stumpf zu, während er emsig kleine Zweige zusammentrug. Mir schien, er war dabei sein Nest auszubessern. Ich flüsterte ihm zu, dass er gut dran sei.

Woanders rasseln die Menschen wie blöde mit den Säbeln, als wüssten sie es nicht besser. Dummbratziges Pack, getrieben von Machtgeilen und Geldgierigen Wenigen, die weit weg von den zahllosen Kriesenschauplätzen ausharrten bis sich das niedere Bauernvolk auf deren Geheiß hin die Köpfe einschlägt. 

Kurz, so schien es mir, hatte ich die ungeteilte Aufmerksamkeit von dem kleinem Federviech. Doch dann widmete er sich wieder seiner Rohstoffsuche. Du ignorierst mich kleiner Spatz? Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Aber natürlich. Sind die Menschen erst allesamt ausgerottet, muss du kleiner Spatzenmann ja trotzdem für ein behagliches Heim und für deine Lieben sorgen. Schlaues Vögelchen. Ach wäre die Menschhkeit nur halb so clever wie du mein kleiner Spatz.

Freitag, 17. Juli 2015

Strafe muss sein oder ein „falscher Fehler“.

„Das ist ein guter Tag“ sagte ich mir heute Morgen beim Aufstehen. Freunde hatten uns zu einer Hausboottour auf der Müritz für das kommende Wochenende eingeladen. Durchaus ein Grund sich zu freuen. Denn eine frische Brise, belebende Sprünge ins kalte Nass, ein paar kühle Blonde mit den Freunden zischen und eventuell den einen oder anderen Angelerfolg in Aussicht gestellt zubekommen - da geht einem doch das Herz auf. Oder? Und da lag es durchaus nahe, sich vorab schon einmal um eine offizielle Angelkarte für den Raum Müritz zu kümmern. Soll ja perfekt werden und nicht mit immensen Straffengeldern fürs Wildfischen enden.

Gesagt, getan. Ab in Richtung Roggentin zu AngelJoe, dem Angelprofi schlechthin. Ich stehe also in der Abbiegespur an der Ampel Höhe Shelltanke und warte auf Grün, als mein Handy nach mir zu schreien begann. Das Handy aus der Hosentasche gezwängt und einen Blick auf das Display geworfen. Aha, die Schwiegermama. Prompt bestätigte sich meine Vermutung. Man hatte mich gesehen und wollte nur sichergehen, dass ich nicht zu Ihnen auf den heimischen Hof wollte, weil man gerade in die Gegenrichtung unterwegs war. Tja, Schwiegermutters geschultes Auge entgeht nichts. Sie hatte mich im Gegenverkehr wahrgenommen. Leider aber auch ein weiteres Paar Augen, die einem sympathisch dreinschauenden Uniformierten in einem blau-silbernem Sixpack zuzuordnen waren.

SCHEISSE! Ähm … Schwiegermama? Ich muss Schluss machen. Polizei. Ich bog vorschriftsmäßig ab und blickte ängstlich in den Rückspiegel. Verdammt, beim Sixpack ging das Rückfahrlicht an und man wendete. Kein Blaulicht. Bitte lieber Gott, wenn es Dich gibt, dann bitte jetzt alle umliegenden Einheiten zur Rettung einer kleinen Miezekatze ausrücken lassen. Ok. Es wäre eine Chance für Gott gewesen, sich anzubiedern. Hat er nicht gemacht. Aber das ist ein anderes Thema.

Also bog ich mit gebanntem Blick in den Rückspiegel auf den Parkplatz bei AngelJoe ein und suchte mir in der Nähe zum Eingang einen Platz aus. Kurz hatte ich gehofft, dass der liebe Herrgott mich wohl doch erhört hatte. Ätsch. Dem war nicht so. Das blausilberne Monster erschien hinter einer Hecke und kam dann direkt auf mich zu. Das war´s dann wohl, dachte ich und stieg aus. „Sie wissen was sie falsch gemacht haben?“ frug der braungebrannte Officer, der ebenfalls ausgestiegen war. Zu ihm gesellte sich eine etwas blasse aber nicht unattraktive junge Blondine. „Verkehrskontrolle. Fahrzeugpapiere, Führerschein und Ausweis bitte“ bekam ich von ihr zu hören. Kennt eigentlich einer noch den Film „Tage des Donners“ mit Tom Cruise und der falschen Polizistin, die eigentliche eine …? Ich schweife ab. Sorry. Nach meinem Schuldeingeständnis und der darauffolgenden Belehrung erfragte ich dann noch die zu erwartende Straffe. „60 Euro wird sie das kosten“ meinte der Mann und seine Kollegin ergänzte dann noch fix: „Und einen Punkt gibt es noch obendrauf“. 

Das dazu. Was für ein schöner Tag. Und wenn ich jetzt noch ergänzen darf, dass mich der gute Mann bei AngelJoe an die örtlichen Fischer und Angelläden rund um die Müritz herum verwies, weil man nur dort die offiziellen Angelkarten erwerben könne ...

Mit diesem Wissen und das auch etwas früher kommuniziert, wären mir die 60 Euro und das Pünktchen in Flensburg (Prost) wohl erspart geblieben.

Es kann nur besser werden. Ich wünsche Euch ein schönes und erholsames Wochenende und bitte nicht beim Autofahren telefonieren.